Die Geburt

Das hier wird ein ganz persönlicher Teil und ich werde hier genau beschreiben was bei so einer Geburt vor sich geht. Zudem werde ich auch einmal den Geburtsvorbereitungskurs bewerten und erzählen welche Tipps davon tatsächlich brauchbar waren.

 

Der Abend vor der Geburt...

 

Marcel, der Vater meines Kindes, geht ins Bett. Ich liege wie in letzter Zeit so oft auf der Couch, weil ich mit diesem Bauch sowieso nie richtig schlafen kann. Marcel muss am nächsten Tag früh raus und da möchte ich ungern seinen Schlaf stören wenn ich nachts wieder rumgeistere weil mir alle Knochen wehtun vom liegen. Ich habe stets das Gefühl der Bauch erdrückt mich und frage wie ich die Tage bis zur Geburt noch rumkriegen soll, der anberaumte Geburtstermin ist der 03.01.2013, wir haben grad mal den 17.12.2012. Ich schaue fern und bekomme plötzlich das Gefühl das ich Durchfall bekomme. Merkwürdig, ich hatte vorher schon länger nichts mehr gegessen, eine Unverträglichkeit ist also so ziemlich ausgeschlossen. Nun gut, ab auf die Toilette und tatsächlich. Durchfall, so ein Mist! Naja egal wieder zurück auf die Couch.

 

An dieser Stelle möchte ich gern erwähnen, dass der Körper sich in vielen Fällen vor der Geburt einmal komplett entleert. Dadurch wurde mir wahrscheinlich erspart im Krankenhaus auf den Tisch zu machen (was eigentlich meine größte Angst war, auch wenns blöd klingt) Wie es im Leben so ist denkt man aber in dem Moment nicht daran, dass es ein Anzeichen einer Geburt ist. Weiterhin haben Schwangere meist einen unruhigen Schlaf, um sie daran zu gewöhnen wie es ist wenn einen das Baby  ständig wachhält. Mutter Natur hat alles schlau eingerichtet. Wenn die Geburt bevor steht, ist es manchmal aber so, dass der Mutter nochmal Schlaf gegönnt wird um sich auszuruhen. So auch bei mir...

 

 Der Schock am Morgen...

 

Ich werde wach, stelle fest das ich endlich eine Nacht wieder durchschlafen konnte und wunder mich warum Marcels Schlüssel noch da liegt. Ich gehe Pipi machen und werfe einen Blick ins Schlafzimmer. SO EIN MIST! Er ist wieder nicht aufgestanden! Ich mache ihn wach und rege mich über ihn auf. Er bleibt einfach liegen. Ich lege mich wieder auf die Couch und dann passiert es. PLÖPP und AUA. FRUCHTBLASE GEPLATZT! Da es aber nicht sofort läuft gehe ich ins Badezimmer und setze mich auf die Toilette. Und da läuft es dann ununterbrochen. Ich rufe meine Mama auf der Arbeit an. Sie glaubt mir erst gar nicht und vergewissert sich gefühlte 100 Mal ob das jetzt kein Witz ist. NEIN MAMA, es ist KEIN Witz! Da mein Spatz beim letzten Arztbesuch noch nicht fest mit dem Kopf im Geburtskanal  steckte, hieß es, dass wenn die Fruchtblase mal platzen sollte, ich einen Krankenwagen rufen muss, da es sonst zu Schwierigkeiten kommen kann. Nachdem ich mit Mama aufgelegt habe und sie sich auf den Weg machen wollte sage ich langsam Marcel Bescheid. Ich habe meinen Freund noch nie so schnell wach werden sehen. Während ich den Bach mit Handtüchern zwischen meinen Beinen versuche aufzuhalten ruft Marcel den Krankenwagen.

 

Der Weg zum Krankenhaus...

Es ist mir unwahrscheinlich peinlich weil ich den Krankenwagen ziemlich nass mache und da nur Männer drin sitzen. Und meine Krankenhaustasche hatte ich doch auch noch nicht komplett gepackt. Nur die Sachen für meinen Spatz waren bereits sorgfältig ausgesucht und eingepackt. Ich hatte NICHTS.  Der Krankenwagenmann schnallte mich auf diese typische Liege. Er fragt: ,,Spüren Sie schon was?" Ich sage: ,,Bis auf das ununterbrochene Laufen nichts." und dann entschuldige ich mich erneut für diese riesen Sauerei im Auto.

 Ich werde mit der Liege ins Krankenhaus geschoben. Der liebe Krankenwagenmann der sich schon so lieb um mich gekümmert und mich beruhigt hatte, erzählt mir das er heute Geburtstag habe und das ja ein tolles Geschenk wäre, wenn der kleine Mann schon heute kommen würde. Wir lachen und finden, dass das ein schöner Zufall ist.

 

Die Geburt

 

 Keine Wehen in Sicht. Ich gehe in den Untersuchungsraum und nässe auch diesen vollständig ein. Die Ärztin schaut sich meinen Muttermund einmal an. Siehe da, 4 cm offen, und das ganz ohne Wehen. Ich komme ans CTG und es ist alles in Ordnung. Der Kopf meines Sohnes steckt nun fest im Geburtskanal. Alles Prima, ich habe super Laune. Marcel und Mama fahren nachdem ich ins Zimmer komme, einmal los und holen mir ein paar Sachen. Als sie weg sind, geht es dann plötzlich los. Die leichten Unterleibschmerzen werden von Minute zu Minute schlimmer und unerträglich. Ich habe das Gefühl das unten alles zerreißt und ich kann nichts dagegen tun. Ich atme, wie im Geburtsvorbereitungskurs gelernt. Plötzlich finde ich das 'Wehen veratmen' total unmöglich ist. Auch die verschiedenen Körperhaltungen die der Geburtsvorbereitungskurs vorgeschrieben hatte haben überhaupt nichts gebracht. Weder im Sitzen, noch im Stehen noch in gebückter Haltung konnte ich die Wehen besser ertragen. Alles Quatsch, finde ich. MIR hat es nicht geholfen. Die Schmerzen werden unerträglich. Ich gehe rüber in den Kreissaal und möchte eine PDA und zwar flott! Die Hebamme erklärt, dass ich erst mal ein bisschen an das CTG muss. Ich bin entsetzt. In dem Zustand noch ruhig sitzen bleiben? Wie soll ich das nur durchstehen? Verdammt noch mal wann kommen Marcel und Mama zurück? Ich muss wohl dadurch. Ich saß schon ein paar Minuten am CTG als endlich Mama und Marcel reinkommen. Die waren erst einmal baff. Als sie fuhren war ich noch total guter Dinge und als sie eine Stunde später wieder eintrudeln winde ich mich hin und her und weine fast. Ich habe das Gefühl das die Wehen nun ohne Pause durchgängig ihr Unwesen treiben. Nach einer Stunde bekomme ich dann endlich die PDA. Marcel möchte rausgehen, Gott sei dank bleibt Mama bei mir.

 

Die PDA zu setzen ist wohl gar nicht so einfach. Ich muss still sitzen bleiben. ,,WIE DENN WENN MAN SOLCHE SCHMERZEN HAT?" frage ich genervt. Es gab einfach keine Wehenpause. Endlich stach er mir in den Rückenmark und ich hoffe auf Erleichterung.

 Merkwürdig, die kommt nicht! Ich komme in den Kreissaal und werde dort abgeparkt bis es weiter geht. Kaum da, habe ich das Gefühl auf die Toilette zu müssen. ,,Sie müssen nicht auf die Toilette." sagt die Hebamme. Ich ärgere mich, denn das muss ich ja wohl besser wissen! ,,Ich muss jetzt wirklich auf die Toilette!" sage ich verärgert und möchte eigentlich aufstehen, denn das Liegen auf dem Bett tut meinen Wehen gar nicht gut. Der Druck auf meinen Darm wird immer größer aber die Hebamme sagt, dass sie sich gern einmal meinen Muttermund anschauen möchte. Sie schaut und sagt der Muttermund ist 9 cm auf, ich muss nicht auf die Toilette, das sind die Presswehen. Ich soll bitte noch nicht pressen, sie kommt gleich wieder, sie holt schon mal den Arzt und bereitet alles vor.

 

Das Nichtpressen klappt nicht so toll wie es von mir erwartet wird. Mein Körper presst von ganz allein. Meine Mama ermahnt mich immer wieder das ich noch nicht pressen darf. Ich frage mich wo die Hebamme so lange bleibt, ich kann es nicht mehr zurückhalten und die Schmerzen waren höllisch. Verdammt, wofür habe ich die PDA über mich ergehen lassen, wenn sie sowieso nichts bringt?

Endlich kommt die Hebamme. Sie schaut nach, 10 cm auf und ich darf pressen. Es tut gut es endlich freien lauf lassen zu dürfen. Ich presse und presse und es sind nun schon 1 1/2 Stunden vergangen. Verdammt mein Sohn passt ohne Hilfe nicht durch. Ich habe das Gefühl das ich an der Scheide komplett zerreiße. Am liebsten möchte ich vor Schmerzen gar nicht mehr pressen aber ich presse nun noch doller als eh schon weil ich meinen Sohn endlich sehen und begrüßen möchte. Nun ruft die Hebamme einen Arzt zu uns, der mein Kind von meinem Bauch aus rausdrücken soll. Bei dem Teil muss Mama sich wegdrehen. Sie sagt heute noch das es überaus brutal aussah und sie mich nicht so sehen konnte. Der Arzt ist ein riesen Bär! Anders kann man ihn nicht beschreiben. Dagegen sehe ich wahrscheinlich klein und gebrechlich aus. Er drückt ein paar mal während ich presse und dann kommt ER. 

 

Elias.

 

 Er kommt rausgeschossen, die Ärztin fängt ihn auf. Er schreit. Er wird mir auf die Brust gelegt. Der wunderschönste Moment. Marcel weint. Nicht nur ein paar Tränchen, Nein, er weint Rotz und Wasser.

Bei meiner Mutter fließen ebenfalls Tränen. Marcel schneidet die Nabelschnur durch.

 Ich schaue ihn die ganze Zeit an. Er ist so wunderschön. Ein perfektes Wesen! Ich denke das ich es endlich geschafft habe, bis die Ärztin sagt das sie mich nun nähen muss. Ich bekomme eine Betäubungsspritze. Aber scheinbar ist mein Körper an dem Tag gegen alles immun. Die PDA hat nicht gewirkt, und nun nicht mal die Spritze. Während ich Elias auf meiner Brust liegen habe, näht die Ärztin 1 1/2 Stunden an mir rum. Ich spüre jeden einzelnen Stich, sogar wie der Faden immer wieder straff gezogen wird. Es kommt mir vor wie Folter! Ich muss mich zusammen reißen nicht zu schreien, ich möchte meinen Sohn nicht sofort verschrecken, hinterher denkt er, wo er hier gelandet ist. Endlich hört die Ärztin auf zu nähen. Dann wird Elias mitgenommen und Marcel ebenfalls. Ich werde in einen anderen Raum geschoben und kann mich ein paar Minuten ausruhen.

 

Der Geburtsvorbereitungskurs

 

Ich finde nicht, dass es sich gelohnt hat hinzugehen. Bei mir hat nichts geholfen und auch bei vielen anderen nicht wie ich gehört habe. Das einzige was gut war, zumindest zum ablenken war das typische Atmen.

Durch die Nase einatmen und durch den Mund wieder ausatmen.

 Wenn man sich darauf konzentriert beruhigt man sich zumindest für einen Moment selbst, und denkt nicht stetig daran das man die Geburt einfach nicht schafft. Aber dafür muss man keinen Kurs besuchen, wie ich finde. Ein bisschen nett war es natürlich. Es waren andere Schwangere mit ihren Partnern da und man konnte sich austauschen. Aber nochmal würde ich so einen Kurs nicht besuchen. 

 

 

22.1.14 11:46, kommentieren

Der Weg zum Erwachsen werden

Geschichte auf einer wahren Begebenheit

 Marina war in der 6. Klasse als es langsam losging. Ihr Leben veränderte sich, ohne das sie auch nur ein Wort Mitspracherecht hatte.

Sie war ein Wunschkind und ihre Kindheit war, wie man sich eben eine intakte Kindheit vorstellte. Papa und Mama waren zusammen, zeigten Liebe und Zuneigung und Geldprobleme waren auch nicht vorhanden. Sie liebte ihren Opa und ihren Papa für die Verrücktheiten die sie mit ihr trieben. Das Toben gefiel ihr meist besonders.

 Ihre Tante lebte bei Oma und Opa, diese kam häufig zu Besuch und Marina durfte anschließend mitkommen, da sie das Übernachten bei Oma und Opa einfach liebte. Immer wieder spielten sie das Spiel 'Opa überraschen'. Marina versteckte sich dabei unter dem Küchentisch und wenn Opa heimkam und sich hinsetzte kitzelte Marina unter dem Tisch an Opas Füßen. Die Freude war riesig. So ähnlich ging auch das Spiel 'Oma überraschen'. Oma saß meist am Küchentisch wenn ihre Tante und sie in die Wohnung kamen. Ihre Tante tat so als käme sie allein nachhause, bis dann Marina um die Ecke sprang. Auch Oma freute sich immer riesig.

 Man kann tatsächlich sagen, sie hatte eine wunderschöne Kindheit.

 Dann kam der Tag des Schreckens. In der Nacht der Anruf, der ein ganzes harmonisches Leben zu Nichte machen würde. Niemand konnte es voraussehen.

 Marina liebte es in Mamas und Papas Bett zu schlafen. Mitlerweile ging sie in die Grundschule. Plötzlich klingelte nachts das Telefon und Papa eilte aus dem Haus. Mama war komisch, aber da Marina kein Unheil kannte ging sie in die Schule. Als Marina dann heimkam wollten Mama und Papa ihr gern was erklären. Papa lag im Bett und Marina legte sich dazu. Papa weinte. Dann wurde ihr erklärt das Opa nun im Himmel beim lieben Gott lebte und auf uns aufpasse. Marina verstand die Welt nicht mehr. Erst vor ein paar Tagen war Opa ein wenig sauer weil Marina gern hätte das Opa bei ihr schlief, doch Opa sagte Nein. Da wurde Marina zickig und es waren Tage ohne Kontakt vergangen. Nun würde sie ihren geliebten Opa nie wieder sehen. Nie wieder konnte sie mit ihm Spaß machen und einfach wild herumalbern. Nie wieder konnte sie ihn in den Arm nehmen und ihm sagen das sie ihn lieb hat. Die Welt zerbrach. Am Abend fragte Marina Mama ob Opa uns nun hört und uns zusieht.

 

 3 Jahre später

Marina ging nun in die 7. Klasse einer Gesamtschule auf der ihr Vater eine Hausmeistertätigkeit annahm. Der Wohnort war nun eine Hausmeisterwohnung in ihrer Schule. Papa wurde immer merkwürdiger, war immer seltener Zuhause, wenn er Zuhause war kannte er nur seinen Laptop und auch wenn Marina ihn ansprach kam keine Reaktion. Er starrte auf den Bildschirm als gäbe es nichts um ihn herum. Marinas schulische Leistungen hatten sich sehr verschlechtert. Konzentrationsschwäche war an der Tagesordnung. Sie verkroch sich in ihre eigene Welt und wollte am liebsten einfach nachhause. Jeden Tag aufs neue quälte sie der Gedanke das so vieles einfach anders geworden ist. Nichts schien mehr wie es einmal war. Sie liebte ihren Vater so, warum beachtete er sie nicht mehr? War sie Schuld das Opa tot war? Das was sie vom Tod wusste war, dass er an dem besagten Morgen tot in der Küche lag. Hatte ihr Streit was mit der Sache zu tun? Wird Papa nun ein Leben lang böse sein? Aber warum streitete sich Mama dann auch ständig mit ihm? Was auch immer es war, es ließ die Situation nicht aushaltbar machen.

 

Papa und Mama stritten nur noch. Es lag wohl daran das Papa immer seltener zuhause war. Marina verstand nichts, dachte Papa müsste viel arbeiten. Bis Papa sie aufklärte. Er ging zu einer Frau und Marina sollte doch Mama nichts sagen, es wäre ein Geheimnis zwischen ihnen. Mama wusste allerdings schon längt Bescheid und da Marina nun auch nicht mehr klein war, wusste sie genau was da vor sich ging.

 

Die Trennung

 

Die Streits eskalierten, Papa fasste Mama oft grob an. Marina fühlte sich hilflos sie hätte Papa gern gehauen und ihn geschüttelt, was er denn da mit Mama machte. Sie traute sich nicht.

Mama und sie zogen aus. Nun musste Mama sie beide allein durchfüttern. Mama hatte keine Möbel mitgenommen, musste zusehen wie sie das alles schaffen sollte. Ihre Stimmung war dementsprechend schlecht. Sie weinte viel. Und wenn man meint damit wäre es gut gewesen kam zu allem Überfluss dazu das Papa sie nun terrorisierte. Sobald sie mal aus dem Haus ging bekam Papa es mit, da er vor der Tür in seinem Auto saß und es sah. Er beschimpte sie, sie sei eine schlechte Mutter und würde Marina allein zurücklassen und wo sie denn überhaupt hinginge. Marina fand das sie mit 12 Jahren sehr wohl allein zuhause bleiben kann. Ihr machte es nichts aus ein paar Stunden allein zu verbringen, zumal es ja sowieso sein musste, da Mama einen Ganztagsjob hatte. Manchmal ließ es sich also nicht vermeiden. Marina war traurig. Ihr Vater, ihr Vorbild wurde zu einem Tyrann, einem Monster und der Albtraum ihrer Kindheit. Sie hatte nur ein Bedürfnis: Mama schützen, so wie sie es für sie tat. Nun hatte sie also eine weitere wichtige Person in ihrem Leben verloren. Ihren Vater.

 Fortsetzung folgt...

 

 

21.1.14 22:52, kommentieren