Der Weg zum Erwachsen werden

Geschichte auf einer wahren Begebenheit

 Marina war in der 6. Klasse als es langsam losging. Ihr Leben veränderte sich, ohne das sie auch nur ein Wort Mitspracherecht hatte.

Sie war ein Wunschkind und ihre Kindheit war, wie man sich eben eine intakte Kindheit vorstellte. Papa und Mama waren zusammen, zeigten Liebe und Zuneigung und Geldprobleme waren auch nicht vorhanden. Sie liebte ihren Opa und ihren Papa für die Verrücktheiten die sie mit ihr trieben. Das Toben gefiel ihr meist besonders.

 Ihre Tante lebte bei Oma und Opa, diese kam häufig zu Besuch und Marina durfte anschließend mitkommen, da sie das Übernachten bei Oma und Opa einfach liebte. Immer wieder spielten sie das Spiel 'Opa überraschen'. Marina versteckte sich dabei unter dem Küchentisch und wenn Opa heimkam und sich hinsetzte kitzelte Marina unter dem Tisch an Opas Füßen. Die Freude war riesig. So ähnlich ging auch das Spiel 'Oma überraschen'. Oma saß meist am Küchentisch wenn ihre Tante und sie in die Wohnung kamen. Ihre Tante tat so als käme sie allein nachhause, bis dann Marina um die Ecke sprang. Auch Oma freute sich immer riesig.

 Man kann tatsächlich sagen, sie hatte eine wunderschöne Kindheit.

 Dann kam der Tag des Schreckens. In der Nacht der Anruf, der ein ganzes harmonisches Leben zu Nichte machen würde. Niemand konnte es voraussehen.

 Marina liebte es in Mamas und Papas Bett zu schlafen. Mitlerweile ging sie in die Grundschule. Plötzlich klingelte nachts das Telefon und Papa eilte aus dem Haus. Mama war komisch, aber da Marina kein Unheil kannte ging sie in die Schule. Als Marina dann heimkam wollten Mama und Papa ihr gern was erklären. Papa lag im Bett und Marina legte sich dazu. Papa weinte. Dann wurde ihr erklärt das Opa nun im Himmel beim lieben Gott lebte und auf uns aufpasse. Marina verstand die Welt nicht mehr. Erst vor ein paar Tagen war Opa ein wenig sauer weil Marina gern hätte das Opa bei ihr schlief, doch Opa sagte Nein. Da wurde Marina zickig und es waren Tage ohne Kontakt vergangen. Nun würde sie ihren geliebten Opa nie wieder sehen. Nie wieder konnte sie mit ihm Spaß machen und einfach wild herumalbern. Nie wieder konnte sie ihn in den Arm nehmen und ihm sagen das sie ihn lieb hat. Die Welt zerbrach. Am Abend fragte Marina Mama ob Opa uns nun hört und uns zusieht.

 

 3 Jahre später

Marina ging nun in die 7. Klasse einer Gesamtschule auf der ihr Vater eine Hausmeistertätigkeit annahm. Der Wohnort war nun eine Hausmeisterwohnung in ihrer Schule. Papa wurde immer merkwürdiger, war immer seltener Zuhause, wenn er Zuhause war kannte er nur seinen Laptop und auch wenn Marina ihn ansprach kam keine Reaktion. Er starrte auf den Bildschirm als gäbe es nichts um ihn herum. Marinas schulische Leistungen hatten sich sehr verschlechtert. Konzentrationsschwäche war an der Tagesordnung. Sie verkroch sich in ihre eigene Welt und wollte am liebsten einfach nachhause. Jeden Tag aufs neue quälte sie der Gedanke das so vieles einfach anders geworden ist. Nichts schien mehr wie es einmal war. Sie liebte ihren Vater so, warum beachtete er sie nicht mehr? War sie Schuld das Opa tot war? Das was sie vom Tod wusste war, dass er an dem besagten Morgen tot in der Küche lag. Hatte ihr Streit was mit der Sache zu tun? Wird Papa nun ein Leben lang böse sein? Aber warum streitete sich Mama dann auch ständig mit ihm? Was auch immer es war, es ließ die Situation nicht aushaltbar machen.

 

Papa und Mama stritten nur noch. Es lag wohl daran das Papa immer seltener zuhause war. Marina verstand nichts, dachte Papa müsste viel arbeiten. Bis Papa sie aufklärte. Er ging zu einer Frau und Marina sollte doch Mama nichts sagen, es wäre ein Geheimnis zwischen ihnen. Mama wusste allerdings schon längt Bescheid und da Marina nun auch nicht mehr klein war, wusste sie genau was da vor sich ging.

 

Die Trennung

 

Die Streits eskalierten, Papa fasste Mama oft grob an. Marina fühlte sich hilflos sie hätte Papa gern gehauen und ihn geschüttelt, was er denn da mit Mama machte. Sie traute sich nicht.

Mama und sie zogen aus. Nun musste Mama sie beide allein durchfüttern. Mama hatte keine Möbel mitgenommen, musste zusehen wie sie das alles schaffen sollte. Ihre Stimmung war dementsprechend schlecht. Sie weinte viel. Und wenn man meint damit wäre es gut gewesen kam zu allem Überfluss dazu das Papa sie nun terrorisierte. Sobald sie mal aus dem Haus ging bekam Papa es mit, da er vor der Tür in seinem Auto saß und es sah. Er beschimpte sie, sie sei eine schlechte Mutter und würde Marina allein zurücklassen und wo sie denn überhaupt hinginge. Marina fand das sie mit 12 Jahren sehr wohl allein zuhause bleiben kann. Ihr machte es nichts aus ein paar Stunden allein zu verbringen, zumal es ja sowieso sein musste, da Mama einen Ganztagsjob hatte. Manchmal ließ es sich also nicht vermeiden. Marina war traurig. Ihr Vater, ihr Vorbild wurde zu einem Tyrann, einem Monster und der Albtraum ihrer Kindheit. Sie hatte nur ein Bedürfnis: Mama schützen, so wie sie es für sie tat. Nun hatte sie also eine weitere wichtige Person in ihrem Leben verloren. Ihren Vater.

 Fortsetzung folgt...

 

 

21.1.14 22:52

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